Informationsgesellschaftsstatistiken auf regionaler Ebene

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Daten von Januar 2013. Neueste Daten: Weitere Informationen von Eurostat, Haupttabellen und Datenbank.

Die weitverbreitete Nutzung von Internet und Web zog die Heranbildung der sogenannten Informationsgesellschaft nach sich. Diese Entwicklungen schufen bald neue Dimensionen der Beteiligung sowohl von Einzelpersonen als auch von Gruppen am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder politischen Leben. Online-Aktivitäten sind allgegenwärtig geworden, und grundsätzlich spielt es keine Rolle mehr, an welchem Standort sie erfolgen, solange ein Internet-Anschluss vorhanden ist. Zur Unterscheidung zwischen Personen, die Zugang zum Internet haben und somit die im Web angebotenen Dienste nutzen können, und all jenen, die von diesen Dienstleistungen ausgeschlossen sind, wurde der Begriff digitale Kluft geprägt. In diesem Artikel liegt der Schwerpunkt auf den geografischen Aspekten der digitalen Kluft — hierzu wird eine Reihe regionalstatistischer Daten über die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in der Europäischen Union (EU) vorgestellt.

Karte 1: Haushalte mit Breitbandzugang nach NUTS-2-Regionen, 2011 (1)
(Anteil der Haushalte mit Breitbandzugang in %) – Quelle: Eurostat (isoc_r_broad_h)
Abbildung 1: Haushalte mit Breitbandzugang nach Urbanisierungsgrad, 2011 (1)
(Anteil der Haushalte mit Breitbandzugang in %) – Quelle: Eurostat (isoc_bde15b_h)
Karte 2: Regelmäßige Internetnutzung, nach NUTS-2-Regionen, 2011 (1)
(Anteil der Einzelpersonen, die das Internet mindestens einmal pro Woche genutzt haben, in %) – Quelle: Eurostat (isoc_r_iuse)
Karte 3: Online-Käufe, nach NUTS-2-Regionen, 2011 (1)
(Anteil der Einzelpersonen, die Waren oder Dienstleistungen für den privaten Gebrauch über das Internet bestellt haben, in %) – Quelle: Eurostat (isoc_r_blt12_i)
Tabelle 1: Die zehn Regionen mit der höchsten Steigerungsrate bei der Internetnutzung, nach NUTS-2-Regionen, 2009-2011 (1) – Quelle: Eurostat (isoc_r_broad_h), (isoc_r_iuse) und (isoc_r_blt12_i)

Wichtigste statistische Ergebnisse

Aus den Karten in diesem Artikel geht der Stand des Internetzugangs und der Internetnutzung hervor, einschließlich des Anteils der Personen, die im Jahr 2011 Online-Käufe getätigt haben. In der Regel sind regionale Daten für NUTS-2-Regionen verfügbar, allerdings liegen für den jüngsten Bezugszeitraum aus Deutschland, Griechenland, Frankreich, Polen und dem Vereinigten Königreich ausschließlich Daten für NUTS-1-Regionen und aus Slowenien nur landesweite Daten vor. Zudem werden Daten für Island, Norwegen, Kroatien, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Serbien und die Türkei vorgelegt, die allerdings im Wesentlichen nur für die Landesebene verfügbar sind.

Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien

Der Zugang zu IKT ist bei der Frage der digitalen Kluft der entscheidende Faktor, wobei jedoch der geografische Standort nur einen der Aspekte dieser Kluft darstellt, da hinsichtlich der Internetanbindung zudem weitreichende Unterschiede zwischen unterschiedlichen Teilgruppen der Bevölkerung bestehen, wie beispielsweise eine Aufschlüsselung nach Alter oder Haushaltseinkommen zeigt.

Zwischen den Statistiken über die Ausstattung mit Internetanschlüssen und statistischen Angaben zum Zugang über Breitband besteht ein enger Zusammenhang, da der Breitbandzugang eine bestimmte Form des Zugangs zum Internet ist, auf den seit einigen Jahren ein immer größerer Anteil der Internetanschlüsse entfällt. In der gesamten EU wurden Anstrengungen unternommen, um sowohl die geografische Reichweite als auch die Geschwindigkeit des Breitbandinternets zu erhöhen. Bis 2011 hatte man etwa zwei Drittel (67 %) aller Haushalte in der EU-27 mit einem häuslichen Breitbandzugang versorgt, und 2012 stieg dieser Anteil auf 72 %. Die relative Bedeutung des Breitbandzugangs zum Internet stieg in der EU-27 im Zeitraum zwischen 2007 und 2012 mit einer durchschnittlichen Jahreszuwachsrate von 11,4 % etwas langsamer als im vorangegangenen Fünfjahreszeitraum, was auf die Tatsache zurückzuführen war, dass sich der Breitbandmarkt in manchen Regionen bereits der Sättigung näherte.

Karte 1 zeigt die Entwicklung der Breitbandversorgung der Haushalte im Jahr 2011: Besonders umfassend war die Breitbandversorgung in den nordischen Mitgliedstaaten, in Norddeutschland und den Niederlanden sowie in den EFTA-Ländern Island und Norwegen. In diesen Gebieten meldeten viele Regionen einen Breitbandversorgungsgrad, der weit über dem Durchschnitt der EU-27 von 67 % lag. Island (92 %) verzeichnete 2011 den höchsten Anteil von Haushalten mit Breitbandanschluss, während in Stockholm (Schweden) als einziger EU-Region mehr als neun von zehn Haushalten über einen Breitbandzugang verfügten (91 %).

EU-weit meldeten 30 NUTS-2-Regionen (Deutschland, Griechenland, Frankreich, Polen und Vereinigtes Königreich: NUTS-1-Regionen; Slowenien: landesweite Daten) einen Breitbandversorgungsgrad von über 80 %. Davon lagen zehn in den Niederlanden (von den insgesamt zwölf NUTS-2-Regionen dieses Landes), sieben in Schweden (von den insgesamt acht dieses Landes), fünf im Vereinigten Königreich, vier in Dänemark (von den insgesamt fünf dieses Landes), drei in Deutschland und eine in Belgien. Auch in Island (das eine einzige NUTS-2-Region bildet) und drei norwegischen Regionen ((Trøndelag, Oslo og Akershus und Vestlandet) lag der Breitbandversorgungsgrad bei über 80 %.

Im Jahr 2011 verzeichneten in der EU 24 Regionen einen Breitbandversorgungsgrad von höchstens 50 % — dies waren deutlich weniger Regionen als noch ein Jahr zuvor (2010), als noch 44 Regionen Raten in dieser Höhe meldeten. Der niedrigste Breitbandversorgungsgrad wurde nahezu ausschließlich in Bulgarien und Rumänien verzeichnet, da Puglia (Italien, 37 %) und Kentriki Ellada (Griechenland, 34 %) als einzige Regionen außerhalb dieser Länder Werte von unter 40 % auswiesen. In Severoiztochen (Bulgarien) und den drei rumänischen Regionen Centru, Sud-Est und Nord-Est wurden jeweils Werte unter 30 % festgestellt und damit der EU-weit niedrigste Versorgungsgrad. In den Beitritts- und Kandidatenländern lag der Breitbandversorgungsgrad ausnahmslos unter dem EU-27-Durchschnitt und reichte von 23 % in Serbien und 34 % in der Türkei (für keines dieser Länder sind regionale Daten verfügbar, die Daten beziehen sich auf die Jahre 2009 bzw. 2010) bis zu 58 % in Jadranska Hrvatska (Kroatien).

Innerhalb der EU gibt es in 21 Mitgliedstaaten mehrere Regionen auf NUTS-Ebene 2 — wobei allerdings für diese spezielle Datenreihe für Slowenien nur Landesdaten verfügbar sind (obwohl es in Slowenien mehr als eine NUTS-2-Region gibt). Eine Analyse der Breitbandversorgung in den verschiedenen Regionen der einzelnen Mitgliedstaaten zeigt, dass die Versorgung in Dänemark, den Niederlanden und Schweden relativ homogen ist (unter Heranziehung des Variationskoeffizienten als Streuungsmaß). Rumänien, Bulgarien und Griechenland meldeten eine größere Spannbreite des Versorgungsgrades ihrer Regionen, was im Wesentlichen darauf zurückzuführen war, dass die Breitbandversorgung in den Hauptstadtregionen deutlich besser war als in den übrigen Regionen. Diese Streuungsmuster innerhalb der EU-Mitgliedstaaten wurden ebenso bei der Analyse der Häufigkeit des Internetzugangs und der Bestellung von Waren und Dienstleistungen durch Einzelpersonen über das Internet festgestellt.

Die zehn Regionen, in denen die Breitbandversorgung zwischen 2009 und 2011 am stärksten zunahm (in Prozentpunkten), meldeten jeweils, dass 2011 mehr als die Hälfte ihrer Haushalte über einen Breitbandanschluss verfügten. Zu diesen zehn Regionen zählten jeweils zwei in Ostdeutschland, in der wallonischen Region Belgiens und in Italien. Die beiden deutschen Regionen — Brandenburg und Sachsen — verzeichneten in Prozentpunkten den höchsten Zuwachs, allerdings blieben ihre Anschlussraten 2011 weiterhin deutlich hinter dem Landesdurchschnitt zurück. Dagegen war in der bulgarischen Region Yugozapaden (welche die Hauptstadt Sofia umfasst) ebenfalls ein relativ starkes Wachstum festzustellen, sodass ihr Versorgungsgrad im Jahr 2011 um 35 % über dem Landesdurchschnitt lag. Nur zwei EU-Regionen beobachteten im Zeitraum zwischen 2009 und 2011 einen Rückgang der Breitbandversorgung ihrer Haushalte: zum einen Luxemburg (das auf dieser Detailebene eine einzige Region bildet) und zum anderen Utrecht (Niederlande). Gleiches galt auch für die beiden nördlichsten Regionen Norwegens (Trøndelag and Nord-Norge).

Der Digital Agenda for Europe (auf Englisch) der Europäischen Kommission zufolge hatten 2011 95 % der EU-Haushalte potenziell Zugang zum Basis-Breitband, während etwa 50 % der Haushalte potenziell Zugang zu einem schnellen Breitbandanschluss hatten (hier definiert als Bandbreiten von mehr als 30 Mbps). Die Verfügbarkeit schneller Breitbandanschlüsse ist von der Verlegung besserer Kabel abhängig und bleibt damit zuweilen zunächst auf städtische Gebiete beschränkt, bevor dieses Angebot auf stärker ländlich geprägte Gebiete ausgeweitet wird. Es ist zu beachten, dass die tatsächliche Inanspruchnahme dieser Leistung in der Regel deutlich hinter dem aktuellen Grad der potenziellen Breitbandversorgung zurückbleibt.

Abbildung 1 zeigt, dass die meisten Länder in dicht besiedelten Gebieten (im Vergleich zu Gebieten mit mittlerer Besiedlungsdichte oder dünn besiedelten Gebieten) einen höheren Breitbandversorgungsgrad aufwiesen. In der EU-27 insgesamt verfügten 72 % der Haushalte in dicht besiedelten Gebieten über einen Breitbandanschluss, gegenüber 68 % in Gebieten mit mittlerer Besiedlungsdichte und 58 % in dünn besiedelten Gebieten. Dieses Muster war in den meisten EU-Mitgliedstaaten zu beobachten, wobei Ausnahmen eher in relativ kleinen, dicht besiedelten Ländern festgestellt wurden (in denen bereits in umfassendem Maße Breitbandanschlüsse verfügbar sind). Beispielsweise wiesen die Haushalte in Belgien, Lettland, Luxemburg, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich im Jahr 2011 in Gebieten mit mittlerer Besiedlungsdichte einen höheren Breitbandversorgungsgrad auf als in dicht besiedelten Gebieten.

Regelmäßige Nutzung des Internets

Im Jahr 2012 nutzten etwa 70 % der Einzelpersonen in der EU-27 das Internet regelmäßig, d. h. mindestens einmal pro Woche. Im Jahr 2007 hatte dieser Anteil bei 51 % gelegen und war seitdem gewachsen, wenn sich auch das Wachstumstempo im Zeitraum zwischen 2010 und 2012 deutlich verlangsamt hatte. Karte 2 zeigt regionale Daten für das Jahr 2011, in dem 68 % der Einzelpersonen in der EU-27 das Internet regelmäßig nutzten.

Es besteht ein Zusammenhang zwischen regelmäßiger Internetnutzung und dem Grad der Breitbandversorgung: Wie die Parallelen zwischen Karte 1 und Karte 2 zeigen, weisen Regionen mit einer höheren Breitbandversorgung in der Regel einen höheren Anteil regelmäßiger Internetnutzer auf.

Eines der Ziele der Digitalen Agenda für Europa ist es, den prozentualen Anteil der regelmäßigen Internetnutzer bis 2015 auf 75 % der Gesamtbevölkerung zu erhöhen. Diese Referenzgröße (Benchmark) reichte im Jahr 2011 von 94 % der Einzelpersonen in Stockholm (Schweden) — der EU-Region mit dem höchsten Breitbandversorgungsgrad — bis zu 33 % in Sud-Vest Oltenia (Rumänien) — mit anderen Worten, in Stockholm war die Zahl der regelmäßigen Internetnutzer fast dreimal so hoch.

Insgesamt waren 2011 in der EU in 63 NUTS-2-Regionen (Deutschland, Griechenland, Frankreich, Polen und Vereinigtes Königreich: NUTS-1-Regionen; Slowenien: landesweite Daten) mehr als 75 % der Einzelpersonen regelmäßige Internetnutzer, darunter wiesen 26 Regionen eine regelmäßige Internetnutzung von 85 % der Einzelpersonen aus. Demgegenüber gab es in der EU 41 Regionen, in denen höchstens 55 % der Einzelpersonen das Internet regelmäßig nutzten, in 21 Regionen (in Bulgarien, Griechenland, Italien, Portugal und Rumänien) lag dieser Wert bei höchstens 45 %.

In den EFTA-Ländern wurde durchgängig ein hoher Anteil der regelmäßigen Internetnutzer beobachtet: Den niedrigsten Anteil der Einzelpersonen, die das Internet mindestens einmal wöchentlich nutzen, verzeichnete mit 89 % die EFTA-Region Hedmark og Oppland (Norwegen) — dieser Wert lag jedoch ebenfalls um 21 Prozentpunkte über dem EU-27-Durchschnitt. In den Regionen der Beitritts- und Kandidatenländer lag die Häufigkeit der regelmäßigen Internetnutzung ausnahmslos unter dem EU-27-Durchschnitt und reichte von 35 % der Einzelpersonen in Serbien (2009) und 33 % der Einzelpersonen in der Türkei (Daten für 2010) — für keines dieser Länder sind regionale Daten verfügbar — bis hin zu 58 % in Jadranska Hrvatska (Kroatien).

Die zehn EU-Regionen mit der stärksten Zunahme (in Prozentpunkten) der regelmäßigen Internetnutzung zwischen 2009 und 2011 meldeten für das Jahr 2011 jeweils Anteile der Einzelpersonen, die das Internet mindestens einmal wöchentlich nutzen, in Höhe von mehr als 60 %. Zu diesen zehn Regionen mit dem stärksten Wachstum zählten drei Regionen in Spanien (Ciudad Autónoma de Ceuta, Ciudad Autónoma de Melilla und La Rioja), zwei in Deutschland sowie jeweils eine in Belgien, Irland, Österreich, Portugal und Frankreich. Mit Ausnahme der Regionen Border, Midland and Western (Irland) und Sachsen (Deutschland) meldeten die verbleibenden acht Regionen für die regelmäßige Internetnutzung im Jahr 2011 Raten oberhalb des jeweiligen Landesdurchschnitts.

Nutzung des elektronischen Handels durch Einzelpersonen

Im Jahr 2012 gaben 45 % der Einzelpersonen in der EU-27 an, (in den letzten zwölf Monaten vor der Erhebung) Online-Einkäufe getätigt zu haben; in den Jahren 2007 und 2010 hatte dieser Wert bei 30 % bzw. 40 % gelegen.

Eine regionale Aufschlüsselung ist nur für das Jahr 2011 verfügbar (siehe Karte 3). Dieser Karte ist zu entnehmen, dass Einzelpersonen in Nordwesteuropa den elektronischen Handel am häufigsten nutzten, während die niedrigsten Nutzungsraten in den südlichen Mitgliedstaaten und vielen der Mitgliedstaaten, die der EU 2004 oder 2007 beigetreten sind, zu verzeichnen waren. Im Jahr 2011 reichte der Anteil der Einzelpersonen, die Online-Einkäufe tätigten, in den NUTS-2-Regionen (Deutschland, Griechenland, Frankreich, Polen und Vereinigtes Königreich: NUTS-1-Regionen; Slowenien: landesweite Daten) von 82 % in South West (Vereinigtes Königreich) bis hin zu 3 % in den rumänischen Regionen Sud-Est und Vest sowie in der bulgarischen Region Yuzhen tsentralen.

Karte 3 zeigt, dass 2011 in 15 NUTS-2-Regionen der EU mehr als sieben von zehn Einzelpersonen Online-Einkäufe getätigt haben. Hierzu zählten fünf Regionen im Vereinigten Königreich (im Allgemeinen im Süden, aber auch in Schottland), vier Regionen in den Niederlanden, drei Regionen in Schweden, zwei in Dänemark und eine in Deutschland. Dagegen lagen von den 43 NUTS-2-Regionen, in denen höchstens 20 % der Einzelpersonen erklärten, im Jahr 2011 Online-Einkäufe getätigt zu haben, 14 in Italien, acht in Rumänien, jeweils sechs in Bulgarien und Portugal, drei in Griechenland, jeweils zwei in Spanien und Ungarn sowie jeweils eine in Lettland und Litauen (diese beiden Länder bilden auf NUTS-2-Ebene jeweils eine einzige Region).

Von den EFTA-Ländern, für die Daten verfügbar sind, waren Online-Einkäufe im Jahr 2011 in Norwegen relativ weit verbreitet, wobei in Vestlandet der geringste Anteil verzeichnet wurde (66 %). Trotz eines extrem hohen Breitbandversorgungsgrads (92 %) tätigte in Island nur knapp jede zweite Einzelperson (49 %) Online-Einkäufe. In den Beitritts- und Kandidatenländern nahmen Einzelpersonen im Jahr 2011 deutlich weniger Online-Einkäufe vor, darunter nur 4 % in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien (2010) und jeweils 5 % in Serbien (2009) und der Türkei (2010), wobei für die beiden letztgenannten Länder keine regionalen Daten verfügbar sind. Von den Regionen der Beitritts- und Kandidatenländer wurde der höchste Anteil der Einzelpersonen, die Online-Einkäufe tätigten, in Jadranska Hrvatska (Kroatien, 21 %) verzeichnet.

Der Anteil der Einzelpersonen, die Waren oder Dienstleistungen über das Internet bestellten, nahm im Zeitraum zwischen 2009 und 2011 in vielen west- und mitteleuropäischen Regionen der EU relativ stark zu. Zu den zehn Regionen mit den stärksten Zuwächsen zählten jeweils zwei Regionen in Belgien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, während die beiden übrigen Regionen in der Peripherie der EU zu finden waren — Ciudad Autónoma de Ceuta (Spanien) und Bratislavský kraj (die Hauptstadtregion der Slowakei). Acht dieser Regionen meldeten einen Anteil der Personen, die 2011 Waren oder Dienstleistungen über das Internet bestellt haben, der mindestens so hoch war wie der jeweilige Landesdurchschnitt. Drei Regionen verzeichneten eine relativ hohe Bereitschaft von Einzelpersonen, den elektronischen Handel zu nutzen: Der Anteil der Einzelpersonen, die Waren oder Dienstleistungen über das Internet bestellten, war in Ciudad Autónoma de Ceuta um 51,9 % höher als der spanische Durchschnitt, während die entsprechenden Anteile in der Province/Provincie Vlaams-Brabant (Belgien) und Bratislavský kraj (Slowakei) um 25,6 % und 21,6 % über dem jeweiligen Landesdurchschnitt lagen.

Datenquellen und Datenverfügbarkeit

EU-Statistiken über die Nutzung von IKT stützen sich auf die Verordnung (EG) Nr. 808/2004 über Gemeinschaftsstatistiken zur Informationsgesellschaft. Die Verordnung bezieht sich auf Statistiken sowohl über die Nutzung von IKT in Unternehmen als auch über die Nutzung von IKT in Haushalten und durch Einzelpersonen. In diesem Artikel wird lediglich der letztgenannte Aspekt behandelt. Im Jahr 2011 verabschiedete die Europäische Kommission die Durchführungsverordnung (EU) Nr. 937/2011 über Gemeinschaftsstatistiken zur Informationsgesellschaft, die eine Rechtsgrundlage für die Erhebung von Daten über Unternehmen, Einzelpersonen und Haushalte für das Bezugsjahr 2012 bildet.

Die Eurostat-Erhebungen zur IKT-Nutzung sollen zeitnah statistische Daten über die Nutzung von IKT durch Einzelpersonen und Haushalte bereitstellen. Ein großer Anteil der Eurostat-Statistiken zur IKT-Nutzung wird in diesem Zusammenhang für das Benchmarking-Verfahren im Rahmen der Digitalen Agenda für Europa herangezogen.

Auf NUTS-1-Ebene werden regionale Daten über die IKT-Nutzung für eine begrenzte Zahl von Indikatoren von den EU-Mitgliedstaaten seit 2006 auf freiwilliger Basis und seit 2008 verpflichtend zur Verfügung gestellt. Für die Befragungen von Haushalten/Einzelpersonen werden Fragen zum IKT-Zugang an die Haushalte gerichtet, während Fragen zur IKT-Nutzung von den Einzelpersonen beantwortet werden, die zum Haushalt gehören. Neben einem Kernteil hat der Musterfragebogen jedes Jahr ein neues Hauptthema. Der Erfassungsbereich der Erhebung für Haushalte/Einzelpersonen betrifft Einzelpersonen zwischen 16 und 74 Jahren und Haushalte mit mindestens einem Mitglied in dieser Altersgruppe. Der Berichtszeitraum umfasst die ersten drei Monate des Kalenderjahres.

Der Begriff „Breitbandverbindung“ bezieht sich auf die Geschwindigkeit der Datenübertragung beim Hoch- und Herunterladen von Daten. Breitband erfordert eine Datenübertragungsgeschwindigkeit von mindestens 144 kBit/s. Die am häufigsten benutzten Technologien für den Breitbandzugang zum Internet sind der digitale Teilnehmeranschluss (Digital Subscriber Line — DSL) oder Kabelmodem.

Internetnutzer sind Personen, die in den letzten drei Monaten vor der Erhebung das Internet genutzt haben. Regelmäßige Internetnutzer haben im Bezugszeitraum von drei Monaten das Internet mindestens einmal pro Woche genutzt.

Elektronischer Handel über das Internet wird definiert als die Bestellung von Waren oder Dienstleistungen über das Internet. Der Erwerb von Finanzinvestitionen (z. B. Aktien und Anteile), bestätigte Reservierungen für Unterkünfte und Reisen, die Teilnahme an Lotterien und Wetten und der Erwerb von kostenpflichtigen Informationsdiensten über das Internet oder Käufe in Online-Auktionen sind in der Definition enthalten. Bestellungen durch manuell geschriebene E-Mails sind nicht enthalten. Die Lieferung oder Bezahlung auf elektronischem Wege ist nicht Voraussetzung einer Transaktion im elektronischen Handel.

Kontext

In den vergangenen Jahrzehnten haben die Informations- und Kommunikationstechnologien in allen Bereichen des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens ihren festen Platz gefunden. Sie bewirken einen tief gehenden und bisher nie da gewesenen Wandel unserer Gesellschaft, der zum Teil auf die durch sie bedingte Produktivitätssteigerung zurückzuführen ist. Das Internet ermöglicht den leichten Zugang zu Informationen über praktisch alle Themenbereiche, da Suchmaschinen einen schnellen und einfachen Zugriff auf Websites und Informationsquellen bieten. Viele weitere Aktivitäten wie Kommunikation, Konsum von Medien oder Kauf und Verkauf von Waren und Dienstleistungen können über ein zunehmend vielfältiges Angebot von Geräten online abgewickelt werden. So ist es beispielsweise möglich, den Kontakt zu Familienmitgliedern oder Freunden über soziale Online-Netze zu pflegen, Urlaubsbilder über das Web auszutauschen oder mit Freunden per Videoanruf über das Internet zu telefonieren, während ein zunehmender Anteil des Einzelhandels über Online-Transaktionen abgewickelt wird. IKT erleichtern ferner die Telearbeit und ermöglichen so eine größere Flexibilität der Arbeitsumgebung. Die damit verbundenen Entwicklungen führten zu neuen Dimensionen der Beteiligung von Einzelpersonen und Gruppen am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder politischen Leben. Durch die Allgegenwart der IKT eröffnen sich vollkommen neue Möglichkeiten der Teilhabe an Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Verbreitung von IKT in der EU gilt als ein entscheidender Hebel für die Verbesserung sowohl des Produktivitätsniveaus als auch der Wettbewerbsfähigkeit der Regionen. Die EU-Strukturfonds wurden herangezogen, um einen Beitrag zur Förderung der Nutzung von IKT durch Unternehmen und Haushalte zu leisten und die Entwicklung durch eine ausgewogene Stärkung sowohl des Angebots von als auch der Nachfrage nach IKT-Produkten im öffentlichen und privaten Bereich zu unterstützen. Angaben der Generaldirektion Regionalpolitik und Stadtentwicklung zufolge wurden aus den Regionalfonds im Zeitraum 2007 bis 2013 15 Mrd. EUR, das entspricht 4,4 % der gesamten Haushaltsmittel für die Kohäsionspolitik, für IKT zur Verfügung gestellt, wobei sich die Investitionsschwerpunkte von der Infrastruktur hin zur Unterstützung der Entwicklung von Inhalten verschoben haben.

Die Teilhabe der Bürger und Unternehmen an der Informationsgesellschaft ist abhängig vom Zugang zu IKT, also z. B. dem Besitz eines elektronischen Geräts (wie eines Smartphones, eines Tablet-PCs oder eines Computers), einer schnellen Internet-Verbindung und den einschlägigen Kenntnissen und Fertigkeiten. Die digitale Kluft unterscheidet zwischen Personen, die Zugang zum Internet haben und somit die im World Wide Web angebotenen Dienste nutzen können, und all jenen, die davon ausgeschlossen sind. Die digitale Kluft kann Kriterien widerspiegeln, welche die Unterschiede in der IKT-Teilhabe nach Geschlecht, Alter, Bildungsgrad, Einkommen, gesellschaftlichen Gruppen oder der geografischen Lage beschreiben. So sind beispielsweise eine regelmäßige Internetnutzung sowie insbesondere Online-Einkäufe in ländlichen/abgelegenen Regionen in der Regel weniger verbreitet. Die EU hat anerkannt, wie wichtig es ist, die digitale Kluft zu überwinden und allen Bürgern einen gleichberechtigten Zugang zu IKT sowie die Teilhabe an der Informationsgesellschaft zu ermöglichen. Im Jahr 2010 hat die Europäische Kommission ihre Mitteilung mit dem Titel „Eine Digitale Agenda für Europa“ angenommen (KOM(2010) 245 endg.), eine Strategie für die Schaffung einer florierenden digitalen Wirtschaft bis 2020. Die Digitale Agenda für Europa bildet eine der sieben Leitinitiativen im Rahmen der Strategie Europa 2020 für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum. Die Agenda sieht sieben vorrangige Aktionsbereiche vor: Schaffung eines digitalen Binnenmarkts, größere Interoperabilität, Steigerung von Vertrauen und Sicherheit im Internet, viel schnellerer Internetzugang, höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung, Verbesserung der digitalen Kompetenzen und Integration sowie Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologien für die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen wie Klimawandel und Bevölkerungsalterung. Wichtige Vorteile wären beispielsweise die Vereinfachung der elektronischen Zahlungen und Rechnungen, die zügige Einführung der Telemedizin und eine energieeffiziente Beleuchtung.

In der Digitalen Agenda wird insofern Nachdruck auf die Qualität der Dienste gelegt, als darin die Zielvorgaben verankert wurden, dass in der EU bis zum Jahr 2020 alle Haushalte über einen Breitbandanschluss mit einer Übertragungsgeschwindigkeit über 30 Mbp/s und 50 % der Haushalte über eine Breitbandverbindung mit mehr als 100 Mbp/s verfügen sollen. Diese beiden Zielvorgaben sind Teil einer Benchmarking-Initiative zur Bemessung der im Hinblick auf die Entwicklung der europäischen Informationsgesellschaft und die in der Digitalen Agenda festgelegten politischen Ziele erzielten Fortschritte. Der Digital Agenda Scoreboard (auf Englisch) umfasst 13 spezifische Zielvorgaben für die Jahre 2013 bis 2020.

In der Digitalen Agenda wird zudem die Bedeutung des Online-Einkaufs hervorgehoben und die Einrichtung eines digitalen Binnenmarkts in Europa angestrebt. Die politischen Maßnahmen zielen auf den Abbau nationaler Hindernisse für Online-Märkte ab, indem der Zugang zu Inhalten — z. B. Kauf und Herunterladen von digitalen Medieninhalten — erleichtert wird, grenzübergreifende Transaktionen und Zahlungen vereinfacht werden und Vertrauen in den grenzüberschreitenden elektronischen Handel geschaffen wird.

Für die Connecting Europe Facility (CEF) (auf Englisch) wurden für den Zeitraum von 2014 bis 2020 Mittel in Höhe von bis zu 50 Mrd. EUR vorgeschlagen: Aus dieser Fazilität sollen Wachstum, Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit gefördert werden, und zwar mittels Infrastrukturinvestitionen zur Unterstützung des Aufbaus hochleistungsfähiger, nachhaltiger und zusammenhängender Netze in der EU in den Bereichen Verkehr, Energie und Telekommunikation. Die Europäische Kommission hat vorgeschlagen, 9,2 Mrd. EUR aus der CEF für Anreize für Investitionen in schnelle und sehr schnelle Breitbandnetze und europaweite digitale Dienste zu verwenden. Im Dezember 2012 wurden in einer gemeinsamen Abstimmung der Ausschüsse Verkehr und Industrie des Europäischen Parlaments Regelungen für die Finanzierung von Infrastrukturprojekten durch die CEF gebilligt; die CEF-Vorschläge sollen vor Ende des Jahres 2013 angenommen werden.

Was speziell die Informationsgesellschaft betrifft, schlägt die Kommission für den digitalen Teil der CEF die Entwicklung von Breitbandnetzen und Infrastrukturen für digitale Dienste vor. Beispiele hierfür sind die Förderung des Ausbaus schneller und ultraschneller Breitbandnetze und die Schaffung eines grenzüberschreitenden Zugangs zu interoperablen, digitalen öffentlichen Diensten in Bereichen wie öffentliche Verwaltung, Kultur, Bildung, Forschung und Gesundheit wie beispielsweise elektronisches Beschaffungswesen, elektronische Gesundheitsdienste oder elektronischer Rechtsverkehr. Diese Veränderungen könnten bewirken, dass ein Arzt, der eine Person behandelt, die während eines Aufenthalts in einem anderen Mitgliedstaat erkrankt, auf die Krankenakten des Patienten zugreifen kann, oder dass ein Unternehmen in einem Mitgliedstaat über ein System, das die nationale Fragmentierung und die Sprachbarrieren überwindet, die derzeit unter Umständen noch die Zusammenarbeit oder den Wettbewerb über Landesgrenzen hinweg beeinträchtigen, ein Angebot an eine Behörde in einem anderen Mitgliedstaat übermitteln kann.

Weitere Informationen von Eurostat

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Veröffentlichungen

Haupttabellen

Politikrelevante Indikatoren (t_isoc_pi)
Computer und das Internet in Haushalten und Unternehmen (t_isoc_ci)
E-Commerce durch Einzelpersonen und Unternehmen (t_isoc_ec)
IT-Fähigkeiten von Personen und IT-Kompetenz in Unternehmen (t_isoc_sk)
Regionale Statistik der Informationsgesellschaft (t_isoc_reg)
Regionale Statistik der Informationsgesellschaft (t_reg_isoc)

Datenbank

Politikrelevante Indikatoren (isoc_pi)
Computer und das Internet in Haushalten und Unternehmen (isoc_ci)
E-Commerce durch Einzelpersonen und Unternehmen (isoc_ec)
IT-Fähigkeiten von Personen und IT-Kompetenz in Unternehmen (isoc_sk)
Regionale Statistik der Informationsgesellschaft (isoc_reg)
Regionale Statistik der Informationsgesellschaft (t_reg_isoc)

Spezieller Bereich

Methodologie / Metadaten

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Siehe auch

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