Tourismusstatistiken auf regionaler Ebene

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Daten von März 2014. Neueste Daten: Weitere Informationen von Eurostat, Haupttabellen und Datenbank. Aktualisierung des Artikels geplant: Juni 2015

Dieser Artikel ist Bestandteil einer Reihe statistischer Artikel auf der Grundlage des Jahrbuchs der Regionen von Eurostat. In diesem Artikel wird die regionale Struktur des Tourismus in der Europäischen Union (EU) vorgestellt. Es wird vor allem auf die Belegung von Beherbergungsbetrieben eingegangen; der Artikel enthält aber auch Zahlenangaben zur Kapazität der Beherbergungsbetriebe.

Die statistische Definition von Tourismus ist weiter gefasst als die allgemein übliche Definition, da nicht nur private Reisen, sondern auch Dienst- und Geschäftsreisen erfasst werden. Dies hat seinen Grund vor allem in einer ökonomischen Betrachtung des Tourismus, der zufolge privat reisende Personen und Geschäftsreisende ein weitgehend übereinstimmendes Konsumverhalten aufweisen (vor allem hinsichtlich der Nachfrage nach Leistungen des Verkehrs-, Beherbergungs- und Gaststättengewerbes). Daher ist es für die Anbieter von Tourismus-Dienstleistungen zweitrangig, ob ihre Kunden aus privaten oder geschäftlichen Gründen reisen.

Der Tourismus ist ein Querschnittsbereich. Dienstleitungen für Touristen umfassen das Angebot von Unterkünften, Gastronomie (Restaurants, Cafés usw.), Verkehrsmitteln und einer breiten Palette von Kultur- und Freizeiteinrichtungen (Theater, Museen, Freizeitparks oder Schwimmbäder u. a.). In vielen touristisch geprägten Regionen profitieren auch der Einzelhandel und andere Dienstleistungsbranchen sowie die Baubranche erheblich von der zusätzlichen Nachfrage, die von Touristen ausgeht (weitere Informationen sind dem Artikel über die strukturelle Unternehmensstatistik zu entnehmen).

Wichtigste statistische Ergebnisse

In den vergangenen sechs Jahrzehnten hat der Tourismus trotz gelegentlicher Rückschläge einen fast stetigen Aufschwung und eine nahezu ununterbrochene Diversifikation verzeichnet und hat sich weltweit zu einem der größten und am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige entwickelt. Dieses Muster setzte sich in den letzten Jahren ungeachtet der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise fort, so dass der Tourismus das Potenzial hat, als wichtiger Motor die wirtschaftlichen Erholung in der EU anzukurbeln.

Nach Angaben der United Nations World Tourism Organisation (auf Englisch) gab es im Jahr 2012 — zum ersten Mal in der Geschichte — über eine Milliarde internationaler Touristenankünfte. Europa blieb mit mehr als der Hälfte aller internationalen Touristenankünfte auch 2012 weiterhin die meistbesuchte Weltregion. Dabei dürften die Vielfalt der europäischen Kultur, die Vielgestaltigkeit der Landschaft und die Qualität der touristischen Infrastruktur zu den Gründen gehören, die Touristen veranlassen, sich für einen Urlaubsaufenthalt in Europa zu entscheiden.

Karte 1: Gesamtübernachtungen in Beherbergungsbetrieben, nach NUTS-2-Regionen, 2012 (1)
(Übernachtungen von Inländern und Nichtinländern) - Quelle: Eurostat (tour_occ_nin2)
Karte 2: Übernachtungen von Nichtinländern in Beherbergungsbetrieben, nach NUTS-2-Regionen, 2012 (1)
(in % der Gesamtübernachtungen von Inländern und Nichtinländern) - Quelle: Eurostat (tour_occ_nin2)

Zahl der Übernachtungen

Die Zahl der Übernachtungen, die sowohl die Aufenthaltsdauer als auch die Zahl der Gäste widerspiegelt, gilt als Schlüsselindikator für die Beherbergungsstatistik. Im Jahr 2012 wurden in der EU-28 insgesamt 2,58 Mrd. Übernachtungen in Touristenbeherbergungsbetrieben gezählt (letztere umfassen Hotels und ähnliche Betriebe (NACE-Gruppe 55.1), Ferienunterkünfte und ähnliche Beherbergungsstätten (NACE-Gruppe 55.2) sowie Campingplätze (NACE-Gruppe 55.3).

Im Jahr 2012 entfielen auf inländische Touristen in der EU 1,45 Mrd. Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben, was 56,1 % der Gesamtübernachtungen entsprach; die Zahl der Übernachtungen von Nichtinländern belief sich auf 1,13 Mrd.

Karte 1 zeigt eine regionale Aufschlüsselung der Gesamtzahl der Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben im Jahr 2012 (Inländer und Nichtinländer aggregiert). Wie der Karte zu entnehmen ist, bilden häufig die Küstenregionen den Schwerpunkt des Tourismus in der EU, aber auch in den Alpenregionen und in einigen Städten war eine starke Nachfrage festzustellen.

In insgesamt 27 Regionen der EU (einschließlich Irlands, für das keine regionale Analyse vorliegt) wurden mehr als 20 Mio. Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben verzeichnet (in Karte 1 in der dunkelsten Farbe dargestellt). In dieser Liste sind jeweils sechs Regionen in Spanien und Italien, fünf in Frankreich, vier in Deutschland, zwei in Österreich sowie jeweils eine in Griechenland, Kroatien und dem Vereinigten Königreich verzeichnet. Zum Vergleich: Für ganz Irland wurden 28,9 Mio. Übernachtungen gemeldet.

Die Anzahl der bei Nichtinländern beliebten Urlaubsziele war relativ überschaubar, …

Die in Karte 1 dargestellten Ergebnisse können jenen der Karte 2 gegenübergestellt werden, in welcher die Analyse des Anteils der Übernachtungen von Nichtinländern in Beherbergungsbetrieben an der Gesamtzahl der Übernachtungen im Vordergrund steht. Der Durschnitt der gesamten EU-28 für diesen Indikator betrug im Jahr 2012 43,9 %. Es gab nur 65 NUTS-2-Regionen, in denen der Anteil der Übernachtungen von Nichtinländern über dem EU-28-Durchschnitt lag, was den Schluss nahe legt, dass ausländische Touristen eine relativ beschränkte Anzahl von Reisezielen ansteuerten, während andere Regionen womöglich in erster Linie von inländischen Touristen als Urlaubsziel ausgewählt wurden. Der höchste Anteil der Übernachtungen von Nichtinländern an der Gesamtzahl der Übernachtungen von Touristen wurde auf der Mittelmeerinsel Malta (auf dieser Analyseebene lediglich eine Region) verzeichnet. Im Jahr 2012 entfielen in dieser Region 95,7 % aller Übernachtungen auf Nichtinländer. In weiteren acht Regionen belief sich der Anteil der Übernachtungen von Nichtinländern auf mindestens 90,0 %, darunter die Inselreiseziele Kriti und Notio Aigaio (Griechenland), Jadranska Hrvatska (Kroatien), Zypern (das auf dieser Analyseebene ebenfalls nur eine Region bildet) und die Illes Balears (Spanien). Zu den übrigen drei Regionen gehörten Luxemburg (auf dieser Analyseebene lediglich eine Region), Praha (die Hauptstadtregion der Tschechischen Republik) und Tirol (in den österreichischen Alpen). In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Einwohner Maltas, Zyperns und Luxemburgs ein heimisches Urlaubsziel auswählen, angesichts der relativ geringen Größe dieser Länder gering ist.

… wobei häufig mehr ausländische Gäste die Hauptstadtregionen besuchten als inländische Touristen

In den multiregionalen EU-Mitgliedstaaten machten die Übernachtungen von ausländischen Gästen in den Hauptstadtregionen in aller Regel einen Großteil aller Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben aus. Im Jahr 2012 waren die einzigen Ausnahmen die Hauptstadtregionen Deutschlands, Spaniens, Polens, Finnlands und Schwedens. Für Irland liegt keine regionale Aufschlüsselung vor.

Mecklenburg-Vorpommern und Cumbria waren Beispiele für beliebte Tourismusregionen, die hauptsächlich den heimischen Markt ansprachen

Am anderen Ende der Skala gab es 22 NUTS-2-Regionen, in denen weniger als 10 % aller Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben auf Nichtinländer entfielen (in Karte 2 in der hellsten Farbe dargestellt). Zu diesen Regionen mit einer relativ geringen „internationalen Attraktivität“ zählten zehn Regionen in Deutschland, vier im Vereinigten Königreich, drei in Polen, jeweils zwei in Italien und Rumänien sowie eine Region in den Niederlanden. Hierbei ist zu beachten, dass sich die Angaben auf den relativen Anteil an den Gesamtübernachtungen beziehen und keinen Aufschluss über die Gesamtzahl der Übernachtungen geben; allerdings waren die Gesamtzahlen der Übernachtungen in diesen Regionen in der Regel recht niedrig. Es gab jedoch einige Regionen, die sich durch eine große „Attraktivität für inländische Besucher“ auszeichneten. Beispiele hierfür sind die gering besiedelte Ostseeküstenregion Mecklenburg-Vorpommern in Deutschland und die Region Cumbria im Vereinigten Königreich, zu der auch der Lake District gehört. Touristenbeherbergungsbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern verzeichneten 2012 insgesamt 24,8 Mio. Übernachtungen, womit diese Region EU-weit gleich hinter der gesamten Republik Irland an 22. Stelle rangiert. Auf Nichtinländer entfielen nur 3,7 % der Gesamtzahl der Übernachtungen in Mecklenburg-Vorpommern.

Abbildung 1: Die 20 beliebtesten Tourismusregionen der EU, Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben, nach NUTS-2-Regionen, 2012 (1)
(Mio. Übernachtungen von Inländern und Nichtinländern) - Quelle: Eurostat (tour_occ_nin2)

Die beliebtesten Tourismusregionen

Abbildung 1 zeigt die 20 beliebtesten Tourismusregionen (gemessen an den Übernachtungen von Inländern und Nichtinländern), aufgeschlüsselt nach den unterschiedlichen Beherbergungsbetrieben. Auf diese 20 Regionen zusammen entfielen im Jahr 2012 über ein Drittel (37,4 %) aller Übernachtungen in der EU-28.

In der spanischen Inselregion Canarias wurden 2012 die meisten Übernachtungen verzeichnet

In der spanischen Inselregion Canarias wurden 2012 die meisten Übernachtungen aller NUTS-2-Regionen der EU (87,5 Mio. Übernachtungen) verzeichnet, während zwei weitere spanische Regionen ebenfalls unter den fünf beliebtesten Reisezielen rangierten: Cataluña (69,7 Mio. Übernachtungen) und die Illes Balears (64,7 Mio. Übernachtungen). Ebenfalls zu den fünf beliebtesten Zielen zählten die französische Hauptstadtregion Île de France (78,1 Mio. Übernachtungen) und die italienische Region Veneto (62,4 Mio. Übernachtungen), in der sich die Städte Padua, Venedig und Verona befinden.

Einen Platz unter den 20 beliebtesten Regionen erzielten neben den in den großen Reiseländern Spanien, Frankreich und Italien gelegenen Regionen auch Jadranska Hrvatska (Kroatien, 6. Platz), Inner London (Vereinigtes Königreich, 10. Platz), Tirol (Österreich, 14. Platz) und Oberbayern (Deutschland, 17. Platz). Die Gesamtzahl der Übernachtungen an der kroatischen Adriaküste und auf den Inseln von Jadranska Hrvatska belief sich 2012 auf 59,9 Mio.. Damit war dieses Jahr, in dem sich Kroatien zugleich auf den EU-Beitritt vorbereitete, touristisch gesehen das erfolgreichste in seiner Geschichte.

In der Mehrheit der beliebten Reiseziele entfielen die meisten Übernachtungen auf Hotels, …

Im Jahr 2012 entfiel in 14 der 20 beliebtesten Tourismusregionen der EU mehr als die Hälfte aller Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben auf Hotels, Gasthöfe und Pensionen. Die französische Hauptstadtregion Île de France und die vier spanischen Regionen Canarias, Illes Balears, Cataluña und Andalucía waren 2012 die einzigen Regionen, die über 40 Mio. Übernachtungen in Hotels, Gasthöfen und Pensionen verzeichneten. Hotels, Gasthöfe und Pensionen waren auch im Veneto und der französischen Region Provence-Alpes-Côte d'Azur die bevorzugte Beherbergungsform, obwohl ihr Anteil an der Gesamtzahl der Übernachtungen in diesen beiden Regionen unter 50 % lag.

Den höchsten Anteil an Übernachtungen in Hotels, Gasthöfen und Pensionen verbuchte die französische Hauptstadtregion (87,4 % aller Übernachtungen). Am anderen Ende der Skala lag ebenfalls eine französische Region: Im am Mittelmeer gelegenen Languedoc-Roussillon betrug der Anteil von Hotels, Gasthöfen und Pensionen an der Gesamtzahl der Übernachtungen nur 22,1 %, was den geringsten Prozentsatz unter den 20 beliebtesten Regionen darstellte.

… obwohl in Aquitaine und Languedoc-Roussillon die meisten Übernachtungen auf Campingplätzen stattfanden

Dagegen konnte von den 20 beliebtesten Regionen allein die Region Languedoc-Roussillon vermelden, dass mehr als die Hälfte der Gesamtzahl der Übernachtungen auf Campingplätzen verzeichnet wurde. Unter den NUTS-2-Regionen entfiel im Übrigen nur in Midtjylland, Syddanmark (beide in Dänemark), Lincolnshire sowie East Yorkshire and Northern Lincolnshire (beide im Vereinigten Königreich) die Mehrzahl der Übernachtungen auf Campingplätze.

Aquitaine (eine weitere Region Frankreichs, an der Atlantikküste gelegen) war die einzige andere Region unter den 20 beliebtesten Regionen, in der die meisten (aber nicht die Mehrheit) der Übernachtungen auf Campingplätzen verbucht wurde. Auch in absoluten Zahlen zählten Aquitaine und Languedoc-Roussillon zu den beliebtesten Zielen für Campingurlaube, zumal sie — zusammen mit Jadranska Hrvatska, Veneto, Provence-Alpes-Côte d'Azur und Cataluña — zu einer Gruppe von sechs Regionen gehörten, in denen die Gesamtzahl der Übernachtungen auf Campingplätzen bei über 14 Mio. lag. Im Jahr 2012 entfielen auf diese sechs Regionen zusammen 25,9 % aller Übernachtungen auf Campingplätzen in der EU-28.

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Regionen im Blickpunkt:


Jadranska Hrvatska (HR03), Kroatien

Dubrovnik, Kroatien
Die Stadt Dubrovnik liegt in Südkroatien an der Adriaküste und gehört zur Region Jadranska Hrvatska. In dieser Region liegen unter anderem auch — auf dem Festland — die beliebten Reiseziele Split und Zadar sowie die Inseln Hvar und Korčula.
Jadranska Hrvatska rangierte 2012 mit 59,9 Mio. Übernachtungen auf dem sechsten Platz unter den beliebtesten Reisezielen in der EU.
© Foto: Edward Wexler
Abbildung 2: Die 20 bei Nichtinländern beliebtesten Tourismusregionen der EU, Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben, nach NUTS-2-Regionen, 2012 (1)
(Mio. Übernachtungen von Nichtinländern) - Quelle: Eurostat (tour_occ_nin2)
Tabelle 1: Beliebteste Tourismusregionen, Anzahl der Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben, nach NUTS-2-Regionen, 2012 (1) - Quelle: Eurostat (tour_occ_nin2)
Karte 3: Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben, nach NUTS-2-Regionen, 2012 (1)
(Übernachtungen von Inländern und Nichtinländern je 1 000 Einwohner) - Quelle: Eurostat (tour_occ_nin2)
Karte 4: Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben, nach NUTS-2-Regionen, 2012 (1)
(Übernachtungen von Inländern und Nichtinländern pro km²) - Quelle: Eurostat (tour_occ_nin2)
Abbildung 3: Die 20 beliebtesten Tourismusregionen der EU, Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben, nach NUTS-2-Regionen, 2012 (1) - Quelle: Eurostat (tour_occ_nin2)

Ferienunterkünfte und ähnliche Beherbergungsstätten waren in Rhône-Alpes und Jadranska Hrvatska beliebt

In der Kategorie Ferienunterkünfte und ähnliche Beherbergungsstätten waren (unter den 20 wichtigsten Reisezielen) die beliebtesten Regionen Canarias (30,2 Mio. Übernachtungen), Jadranska Hrvatska (24,2 Mio. Übernachtungen) und die südostfranzösische Region Rhône-Alpes (21,7 Mio. Übernachtungen). Die relativ hohe Zahl für die letztgenannte Region dürfte — zumindest teilweise — auf Kurzurlaube in gemieteten Unterkünften während der Skisaison im Winter und der Wandersaison im Sommer zurückzuführen sein. Die 21,7 Mio. Übernachtungen in Ferienunterkünften und ähnlichen Beherbergungsstätten in Rhône-Alpes machten 44,5 % der Gesamtzahl der Übernachtungen in dieser Region in allen Arten von Beherbergungsbetrieben aus, was den höchsten Anteil unter den 20 beliebtesten Reisezielen in der EU darstellte. Die kroatische Region Jadranska Hrvatska war die einzige andere Region unter den 20 beliebtesten Regionen, die Ferienunterkünfte und ähnliche Beherbergungsstätten als bevorzugte Beherbergungsbetriebe (mit 40,4 % der Gesamtzahl der Übernachtungen) vermelden konnte.

Die Daten in Abbildung 2 sind jenen in Abbildung 1 vergleichbar, beziehen sich jedoch nur auf Übernachtungen ausländischer Touristen (Nichtinländer). Hierbei ist zu beachten, dass hier auch die von einem EU-Mitgliedstaat in einen anderen EU-Mitgliedstaat reisenden Personen erfasst werden. Auf die 20 bei Nichtinländern beliebtesten Tourismusregionen entfielen im Jahr 2012 mehr als die Hälfte (53,7 %) aller Übernachtungen von Nichtinländern in der gesamten EU-28. Die von ausländischen Touristen meistbesuchten Regionen liegen in sieben verschiedenen EU-Mitgliedstaaten: Spanien, Italien, Frankreich, Griechenland, Österreich, Vereinigtes Königreich und Kroatien. Die Hälfte der 20 Regionen gehörte entweder zu Spanien oder zu Italien (jeweils fünf Regionen).

Ausländische Touristen von Stränden und Küstenorten in Spanien angezogen

Zu den beliebtesten Reisezielen ausländischer Touristen zählten die drei spanischen Regionen Canarias, Illes Balears und Cataluña sowie die Regionen Jadranska Hrvatska, Île de France und Veneto. Diese Regionen waren 2012 die einzigen, die (unabhängig von der Beherbergungsform) mehr als 40 Mio. Übernachtungen von Nichtinländern melden konnten. Auf diese Regionen zusammen entfielen 28,1 % der Übernachtungen ausländischer Touristen in der EU-28.

Nichtinländer neigten eher dazu, Hotels als bevorzugten Beherbergungsbetrieb zu wählen

Die Mehrzahl der Übernachtungen in 16 der 20 bei ausländischen Gästen beliebtesten Reiseziele erfolgte in Hotels, Gasthöfen und Pensionen. Auf diese Beherbergungsform entfielen mindestens 80 % der Übernachtungen von Nichtinländern in der Region Lazio (zu welcher auch die italienische Hauptstadt Rom gehört), in den griechischen Inselregionen Notio Aigaio und Kriti sowie in den Regionen Île de France, Illes Balears und Tirol.

Fast ein Drittel (31,6 %) der Übernachtungen ausländischer Touristen entfiel 2012 in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur auf Campingplätze; dies war der höchste Anteil von Übernachtungen von Nichtinländern auf Campingplätzen unter den 20 beliebtesten Reisezielen. Ausländische Besucher tendierten demzufolge anscheinend eher weniger dazu, Campingplätze zu nutzen, als inländische Touristen.

Tabelle 1 zeigt (nach Ländern und Inländern bzw. Nichtinländern unterteilt) die Regionen mit den meisten Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben im Jahr 2012. Wie bereits festgestellt, reisen viele Touristen bevorzugt in Regionen mit Küstengebieten. Dies ist in den zehn EU-Mitgliedstaaten zu beobachten, in denen alle NUTS-2-Regionen über eine Küste verfügen. Demgegenüber gibt es aber fünf EU-Mitgliedsstaaten, die gar keinen Zugang zum Meer haben.

Ausländische Besucher zieht es hauptsächlich an die Küstenregionen in Südeuropa und in die Hauptstadtregionen der nördlicheren Mitgliedstaaten

In den übrigen 13 EU-Mitgliedstaaten (die weder Binnenstaaten noch vollständig von Küsten umgeben sind) handelte es sich bei den am meisten besuchten Regionen bei den Inländern um andere Regionen als bei den Nichtinländern; einzige Ausnahmen waren die Schwarzmeerküstenregion Yugoiztochen (Bulgarien), die Adriaküste und die Inseln von Jadranska Hrvatska sowie die nordwestliche Küstenregion Zachodniopomorskie (Polen). In 11 dieser 13 Mitgliedstaaten verfügten die bei Inländern beliebtesten Regionen über einen Küstenstreifen; Ausnahmen bildeten diesbezüglich lediglich die Niederlande und Slowenien. Bei den Nichtinländern war die Situation etwas ausgewogener, da die Hauptstadtregionen Belgiens, Deutschlands, Frankreichs, Rumäniens und des Vereinigten Königreichs mehr ausländische Besucher verzeichneten als alle anderen Regionen (einschließlich jener mit Küste). In den südlichen Mitgliedstaaten waren jedoch die bei Nichtinländern beliebtesten Regionen ebenfalls Küstenregionen.

Von den zehn EU-Mitgliedstaaten, in denen alle NUTS-2-Regionen über eine Küste verfügen, umfassen nur fünf mehr als eine Region (und von diesen Staaten liegt für Irland keine regionale Aufschlüsselung vor). In den übrigen vier Ländern war wiederum eine Kluft zwischen Norden und Süden festzustellen, insofern als ausländische Besucher in Dänemark, Finnland und Schweden tendenziell eher die Hauptstadtregionen besuchten, während in Portugal das unter Nichtinländern beliebteste Reiseziel die Algarve war.

In den vier Binnenmitgliedstaaten der EU mit mehr als einer Region (daher unter Ausschluss von Luxemburg) gehörten zu den bei Nichtinländern beliebtesten Regionen in der Tschechischen Republik, Ungarn und der Slowakei ebenfalls die Hauptstadtregionen, wohingegen in Österreich Nichtinländer häufiger in Tirol übernachteten als in der Hauptstadtregion Wien. Dies ist vermutlich — zumindest teilweise — auf die Winterski- bzw. Sommerwanderurlaube zurückzuführen, die häufig eine Woche oder länger dauern, während Städtereisen oft kürzer sind (aus geschäftlichem Anlass oder am Wochenende).

Belastungen durch den Tourismus

Unkontrollierter Tourismus birgt im weiteren Sinne eine Reihe von Gefahren für Naturschutzgebiete und Städte. Die zunehmende Zahl von Touristen in städtischen Gebieten kann zu einer stärkeren Überlastung der Straßen, größerer Umweltverschmutzung und einer potenziellen Beschädigung historischer Gebäude führen, während die steigende Zahl von Touristen in ländlichen und Küstengebieten mit Bodenerosion, höheren Abfallmengen, Einleitungen von Abwässern in das Meer, dem Verlust natürlicher Lebensräume und dem Druck auf gefährdete Arten einhergehen kann. Die Belastungen durch den Tourismus lassen sich anhand einer Reihe von Indikatoren messen: Die Tourismusintensität wird definiert als die Zahl der Übernachtungen im Verhältnis zur gebietsansässigen Bevölkerung. Diese Indikator liefert detailliertere Anhaltspunkte zum wirtschaftlichen Gewicht des Tourismus in einer Region als die absolute Zahl der Übernachtungen, und in diesem Kontext kann die Tourismusintensität auch zur Analyse der Nachhaltigkeit des Tourismus herangezogen werden.

Die Tourismusintensität in den Regionen Illes Balears, Notio Aigaio und in der Provincia Autonoma di Bolzano/Bozen war mehr als zehnmal höher als im EU-Durchschnitt

In der gesamten EU-28 verzeichneten Beherbergungsbetriebe 2012 im Durchschnitt 5 074 Übernachtungen von Touristen je 1 000 Einwohner. Am höchsten war die Tourismusintensität in der spanischen Region Illes Balears (59 082 Übernachtungen je 1 000 Einwohner), der griechischen Region Notio Aigaio (58 087 Übernachtungen je 1 000 Einwohner) und der italienischen Region Provincia Autonoma di Bolzano/Bozen (57 448 Übernachtungen je 1 000 Einwohner). In jeder dieser drei Regionen war die Tourismusintensität mehr als zehnmal so hoch wie im EU-Durchschnitt. Karte 3 zeigt die regionale Verteilung der Tourismusintensität im Jahr 2012: In 34 NUTS-2-Regionen lag die Tourismusintensität bei mindestens 10 000 Übernachtungen je 1 000 Einwohner (in der Karte in der dunkelsten Farbe dargestellt). Jede dieser Regionen registrierte eine mindestens doppelt so hohe Tourismusintensität wie der EU-28-Durchschnitt.

Die höchsten Tourismusintensitätsraten wurden vorwiegend in den beliebten Küstenregionen festgestellt (meist waren das am Mittelmeer gelegene Regionen). Aber auch eine Reihe von Alpenregionen (wie die Provincia Autonoma di Bolzano/Bozen, Tirol und Salzburg) meldete eine relativ hohe Tourismusintensität, was eigentlich nicht überraschend ist, da einige dieser Regionen eine recht geringe Bevölkerungsdichte aufweisen. Dieses Muster war auch in nördlicheren Regionen festzustellen, wie etwa in den meisten Regionen der nordischen Mitgliedstaaten und in der schottischen Region Highlands and Islands, wo die Bevölkerungsdichte ebenfalls besonders niedrig ist. Gleiches gilt für Island.

Regionale Tourismusdichte in Inner London am höchsten

Eine andere Methode zur Analyse der mit dem Tourismus einhergehenden Belastungen ist die Untersuchung der Gesamtzahl der Übernachtungen im Verhältnis zu der in Quadratkilometern (km²) ausgedrückten Fläche, die zur Beherbergung von Touristen zur Verfügung steht. Karte 4 zeigt die regionale Tourismusdichte, die vor allem in städtischen Regionen besonders ausgeprägt war (welche meist eine viel kleinere Gesamtfläche aufweisen). EU-weit gab es 53 Regionen, in denen die Tourismusdichte bei über 1750 Übernachtungen (von Inländern und Nichtinländern) pro Quadratkilometer lag. Auf der Karte sind sie in der dunkelste Farbe dargestellt. Dieser Maßzahl der Tourismusdichte zufolge verzeichnete Inner London 2012 mit 136 705 Übernachtungen/km² die mit Abstand höchste Konzentration von Touristen in der EU-28 (siehe Abbildung 3). Diese Zahl war fast viermal höher als jene der zweitplatzierten Region, der belgischen Hauptstadtregion Région de Bruxelles-Capitale/Brussels Hoofdstedelijk Gewest (37 133 Übernachtungen/km²). In der gesamten EU-28 verzeichneten 2012 zehn NUTS-2-Regionen eine Tourismusdichte von mindestens 10 000 Übernachtungen/km². Neben den beiden bereits erwähnten Regionen gehörten hierzu drei weitere Hauptstadtregionen (jene Österreichs, Deutschlands und der Tschechischen Republik), die städtischen Regionen Hamburg und Outer London sowie die beliebten Inselreiseziele Malta, Illes Balears und Canarias.

Tourismus in Küstengebieten, ländlichen Gebieten und Städten

Durch eine Änderung der Rechtsgrundlage für die Erhebung der Tourismusstatistiken (weitere Einzelheiten sind dem Abschnitt Datenquellen und Datenverfügbarkeit zu entnehmen) steht eine neue Reihe von Daten für Statistiken ab dem Bezugsjahr 2012 zur Verfügung. Die Karten 5–7 zeigen statistische Daten über den regionalen Tourismus, die aufgrund der Lage der Touristenbeherbergungsbetriebe in Küstenorten, dicht besiedelten Gebieten bzw. gering besiedelten Gebieten analysiert wurden. Den Nenner jeder Karte bilden die Gesamtübernachtungen von Inländern und Nichtinländern in den Beherbergungsbetrieben der einzelnen Regionen.

Ungefähr 40 % der EU-Bevölkerung leben höchstens 50 km vom Meer entfernt. Viele Küstenregionen in Europa verzeichnen eine erhebliche Bauaktivität, da sich immer mehr Menschen dafür entscheiden, in der Nähe des Meeres zu wohnen, und weil der Massentourismus weiter zunimmt. Küstenregionen sind durch eine Reihe wirtschaftlicher Tätigkeiten geprägt, darunter Schifffahrt und Häfen, Fischerei, Energie und Küstentourismus. Diese Tätigkeiten können potenziell schwerwiegende Auswirkungen auf die nachhaltige Entwicklung haben. So können sie etwa zur Zerstörung natürlicher Lebensräume, zur Bedrohung verschiedener Tier- und Pflanzenarten sowie zu einer erhöhten Verschmutzung und Erosion führen. Ferner sind Küstenregionen aufgrund der Wahrscheinlichkeit, dass der Meeresspiegel in den kommenden Jahren infolge des Klimawandels steigen wird, besonders bedroht.

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Regionen im Blickpunkt:


Veneto (ITH3), Italien

Canal Grande, Venedig
Venedig und seine Lagune, die zur italienischen NUTS-2-Region Veneto gehören, sind UNESCO-Weltkulturerbe. Zu den beliebten Reisezielen im Veneto gehören neben Venedig auch die Städte Padua und Verona, das Ostufer des Gardasees sowie einige am Meer gelegene Badeorte (wie Lido di Jesolo und Caorle).
Im Jahr 2012 war die Region Veneto mit 62,4 Mio. Übernachtungen von inländischen Italienern und Nichtinländern in Beherbergungsbetrieben eine der fünf beliebtesten Tourismusregionen der EU. Neben der Region Veneto rangierten aber auch fünf weitere italienische Regionen unter den 20 beliebtesten Reisezielen, nämlich die Regionen Toscana, Emilia-Romagna, Lombardia, Lazio und die Provincia Autonoma di Bolzano/Bozen.
© Foto: Hans Peter Schaefer
Karte 5: Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben in Küstenorten, nach NUTS-2-Regionen, 2012
(in % der Gesamtübernachtungen von Inländern und Nichtinländern in den Beherbergungsbetrieben der Regionen) - Quelle: Eurostat (tour_occ_nin2c)
Karte 6: Städtetourismus — Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben in dicht besiedelten Gebieten, nach NUTS-2-Regionen, 2012
(in % der Gesamtübernachtungen von Inländern und Nichtinländern in den Beherbergungsbetrieben der Regionen) - Quelle: Eurostat (tour_occ_nin2d)
Karte 7: Tourismus in ländlichen Gebieten — Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben in gering besiedelten Gebieten, nach NUTS-2-Regionen, 2012
(in % der Gesamtübernachtungen von Inländern und Nichtinländern in den Beherbergungsbetrieben der Regionen) - Quelle: Eurostat (tour_occ_nin2d)
Karte 8: Zahl der Schlafgelegenheiten in Hotels, Gasthöfen und Pensionen, nach NUTS-2-Regionen, 2012 (1)
(in 1 000 Schlafgelegenheiten) - Quelle: Eurostat (tour_cap_nuts2)
Karte 9: Nettobelegungsraten für Zimmer in Hotels, Gasthöfen und Pensionen, nach NUTS-2-Regionen, 2012 (1)
(%) - Quelle: Eurostat (tour_occ_anor2)
Abbildung 4: Die 20 führenden Tourismusregionen der EU, nach Belegungsraten für Hotels, Gasthöfe und Pensionen, nach NUTS-2-Regionen, 2012 (1) - Quelle: Eurostat (tour_occ_anor2)

Anziehungskraft von Küstenorten als Reiseziele

Karte 5 zeigt den Anteil der Übernachtungen in Küstenorten an den Gesamtübernachtungen in Beherbergungsbetrieben in den NUTS-2-Regionen mit Küstengebieten. In der gesamten EU-28 gab es 16 Regionen, in denen sämtliche Übernachtungen in Touristenbeherbergungsbetrieben auf Küstenorte entfiel. Dabei waren die Regionen recht unterschiedlich, erstreckten sie sich doch von größtenteils städtischen Regionen wie Bremen oder Hamburg in Deutschland über traditionelle Reiseziele wie die Inselregionen Canarias und Illes Balears oder Zypern und Malta (auf dieser Analyseebene jeweils eine Region) bis hin zu den weniger beliebten Reisezielen Åland (in Finnland) oder East Yorkshire and Northern Lincolnshire (im Vereinigten Königreich).

Die Anziehungskraft der Küstenorte ist an der außerordentlich ungleichmäßigen Verteilung der Übernachtungen abzulesen. Von den 119 NUTS-2-Regionen der EU, für die 2012 Daten vorlagen (keine Angaben gab es für Irland oder Griechenland), meldeten fast vier von fünf Regionen, dass die Küstenorte den Großteil der Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben verbuchten. Am anderen Ende der Skala beliefen sich die Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben in Küstenorten in 15 Regionen auf weniger als 35 % (in Karte 5 in der hellsten Farbe dargestellt). Diese Regionen waren häufig Regionen mit relativ kurzen Küstenabschnitten und großen Städten im Binnenland, wie etwa Picardie in Nordfrankreich, die Region Noord Brabant in den Niederlanden, Warmińsko-Mazurskie in Polen oder Cheshire im Vereinigten Königreich.

Naturgemäß entfielen alle Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben in der belgischen, tschechischen, deutschen und britischen Hauptstadtregion auf dicht besiedelte Gebiete

Eine ähnliche Analyse zeigt Karte 6, die den Anteil des Städtetourismus an allen Übernachtungen in Touristenbeherbergungsbetrieben darstellt. Erwartungsgemäß gehörten zu den beliebtesten Reisezielen beim Städtetourismus die Hauptstadtregionen und die großstädtisch geprägten Regionen. EU-weit gab es 14 Regionen, in denen auf dicht besiedelte Gebiete im Jahr 2012 alle Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben entfielen. Grund hierfür ist ganz einfach, dass sämtliche Gebiete innerhalb der Region als dicht besiedelt gelten. Zu diesen Regionen gehörten die Hauptstadtregionen Belgiens, der Tschechischen Republik, Deutschlands und des Vereinigten Königreichs. Demgegenüber entfiel in 13 Regionen der EU-28 keine einzige Übernachtung in Beherbergungsbetrieben dem Städtetourismus.

Bei den Übernachtungen in den Regionen Cumbria, Zeeland, Highlands and Islands und Prov. Luxembourg steht der Tourismus in ländlichen Gebieten im Vordergrund

Karte 7 vermittelt weitere Informationen über die regionale Verteilung des Anteils der Übernachtungen in gering besiedelten Gebieten an den Gesamtübernachtungen. In Cumbria (im Vereinigten Königreich) entfielen auf gering besiedelte Gebiete 96,9 % der Gesamtübernachtungen in den Beherbergungsbetrieben der Regionen. In drei weiteren Regionen lag dieser Anteil bei über 90 %, namentlich in der Region Zeeland (in den Niederlanden), in der Region Highlands and Islands (in Schottland) sowie in der südbelgischen Region Prov. Luxembourg.

Beherbergungskapazitäten

In der EU-28 gab es im Jahr 2012 geschätzte 544 700 Beherbergungsbetriebe, womit insgesamt fast 30 Mio. Schlafgelegenheiten zur Verfügung standen. Gut ein Drittel (36,8 %) aller Beherbergungsbetriebe in der EU waren Hotels, Gasthöfe und Pensionen. Diese stellten insgesamt 6,4 Mio. Zimmer und 13,1 Mio. Schlafgelegenheiten bereit, was im Durchschnitt 32 Zimmern und 65 Schlafgelegenheiten pro Hotel entsprach.

Karte 8 zeigt eine regionale Analyse der Gesamtzahl der Schlafgelegenheiten in Hotels, Gasthöfen und Pensionen. Die dunkelste Farbe auf der Karte zeigt die Regionen mit mindestens 70 000 Schlafgelegenheiten. Auf diese 47 NUTS-2-Regionen entfielen zusammen etwas mehr als die Hälfte aller Schlafgelegenheiten, die 2012 in der EU-28 gebucht werden konnten. Es verwundert nicht, dass Regionen mit einer hohen Dichte von Schlafgelegenheiten häufig mit den Regionen übereinstimmten, die eine hohe Anzahl von Übernachtungen meldeten, und dass es sich dabei hauptsächlich um Küsten-, Berg- und Hauptstadtregionen handelte.

Das Angebot an Schlafgelegenheiten war in lles Balears, Cataluña und Andalucía am größten

Die meisten Schlafgelegenheiten verzeichnete die Region Illes Balears, gefolgt von zwei weiteren spanischen Regionen, Cataluña und Andalucía. Zusammen mit der Île de France und der italienischen Region Emilia-Romagna, zu der Badeorte an der Adria (z. B. Rimini), die Apenninen sowie städtische Ballungszentren (wie Bologna und Modena) gehören, waren diese fünf Regionen EU-weit die einzigen, die mehr als 300 000 Schlafgelegenheiten meldeten.

Zwar ist eine Ermittlung der Gesamtzahl der Schlafgelegenheiten mit Blick auf die Fähigkeit der verschiedenen Regionen, auf die touristische Nachfrage zu reagieren, von Interesse, doch die im Tourismussektor tätigen Akteure sind eher an den Nettobelegungsraten interessiert, welche einen Schritt weiter gehen und die Buchung von Zimmern im Laufe eines Jahres angeben. Belegungsraten können im Verhältnis zur Anzahl der Zimmer oder zur Anzahl der Schlafgelegenheiten gemessen werden. Die Zimmerpreise gelten oftmals als bevorzugte Maßzahl, da der Umsatz bei einem Doppelzimmer oft unabhängig davon, ob das Zimmer von einer oder zwei Personen belegt wird, der gleiche ist.

Die Belegung von Hotels, Gasthöfen und Pensionen kann je nach den Merkmalen der einzelnen Region variieren. Städtische Regionen ziehen tendenziell eher eine große Anzahl von Besuchern an, die dann in der Regel für relativ kurze Zeiträume bleiben, wobei Städtereisen oftmals über das ganze Jahr hinweg stattfinden. Die Gäste dieser Regionen reisen häufig aus beruflichem Anlass, so dass sich die Nachfrage nach Zimmern gleichmäßig auf die Arbeitswoche verteilt. Ergänzend kommen aber auch private Reisen an den Wochenenden und während der Ferienzeiten hinzu. Dagegen verzeichnen die traditionelleren Urlaubsregionen, in die die Gäste vor allem zu Erholungszwecken reisen, in der Regel deutlich längere Aufenthalte. Die touristische Nachfrage nach Reisen in diese Regionen konzentriert sich allerdings oftmals auf die Sommermonate (besonders in den Regionen mit Küstengebieten), während es einen zweiten Nachfragehöhepunkt in den Wintermonaten gibt, was am deutlichsten in den Alpenregionen zu beobachten ist.

Zimmerbelegungsraten in London am höchsten

Karte 9 zeigt eine regionale Analyse der Belegungsraten für Zimmer in Hotels, Gasthöfe und Pensionen im Jahr 2012. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass die Daten für Irland und die Niederlande nur auf nationaler Ebene vorliegen, während für Kroatien und Österreich keine Daten vorhanden sind. Die höchste Nettobelegungsrate wurde in London verzeichnet, wo im Laufe des Jahres 2012 80,1 % der Zimmer belegt waren; hierbei ist zu beachten, dass die für das Vereinigte Königreich verfügbaren Daten nur für NUTS-1-Regionen vorgelegt werden.

In vier anderen NUTS-2-Regionen lag die Belegungsrate bei über 70 %. Dabei handelte es sich um die Hauptstadtregionen Île de France und Berlin sowie um Illes Balears und Canarias. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass einige Hotels an diesen Reisezielen in der Nebensaison schließen, während andere versuchen, hohe Belegungsraten beizubehalten, indem sie z. B. Rentner (die typischerweise aus Nordeuropa kommen) durch Sonderangebote dazu anregen, während der Wintermonate für längere Zeiträume bei ihnen Urlaub zu machen.

Im Jahr 2012 wurden in weiteren 22 Regionen Belegungsraten für Zimmer in Hotels, Gasthöfen und Pensionen von mindestens 60,0 % gemeldet (in Karte 9 in der dunkelsten Farbe dargestellt). Diese Regionen waren oft städtisch geprägt. Relativ wenige gehörten zu den beliebtesten Reisezielen in der EU. Die wichtigsten Ausnahmen bildeten dabei die Provincia Autonoma di Bolzano/Bozen, Cataluña, Zypern, Malta und Oberbayern.

Mehr als die Hälfte der Regionen in der EU hatte Belegungsraten von weniger als 50,0 %

Mehr als die Hälfte aller NUTS-2-Regionen verzeichnete im Jahr 2012 Belegungsraten von weniger als 50,0 %. Dies war der Fall in 118 von 222 Regionen, für die Daten vorliegen. Am unteren Ende der Skala gab es 15 NUTS-2-Regionen in der EU, in denen 2012 Zimmerbelegungsraten von unter 30,0 % festgestellt wurden (in Karte 9 in der hellsten Farbe dargestellt). Sechs dieser Regionen befanden sich in Griechenland, wo sich die anhaltenden Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise nachteilig auf die Nachfrage sowohl im Geschäfts- als auch im Freizeitbereich auswirken dürften. Die anderen Regionen lagen in Süditalien (darunter das beliebte Reiseziel Sizilien), jeweils zwei Regionen in Bulgarien und der Tschechischen Republik und jeweils eine Region in Spanien und Rumänien.

Auf den Illes Balears wurde mit 77,9 % die höchste Belegungsrate für Schlafgelegenheiten verzeichnet

In Abbildung 4 sind die 20 führenden Regionen der EU mit den höchsten Belegungsraten in Hotels, Gasthöfen und Pensionen im Jahr 2012 zusammengefasst. Die Angaben sind im Verhältnis zur Anzahl der Schlafgelegenheiten sowie im Verhältnis zur Anzahl der Zimmer zu verstehen. Neun Regionen sind in beiden Teilen der Abbildung 4 erfasst: die Hauptstadtregionen Berlin, Île de France und London (NUTS-1), die Küstenregionen Canarias, Guadeloupe, Illes Balears, Zypern und Malta (die beiden letzteren bilden auf dieser Analyseebene jeweils nur eine Region) sowie die Alpenregion Provincia Autonoma di Bolzano/Bozen.

Datenquellen und Datenverfügbarkeit

Rechtsgrundlage

Bei der Methodik für die regionale Tourismusstatistik hat es eine wichtige Änderung gegeben. Seit dem Bezugsjahr 2012 ist die Rechtsgrundlage für die Erhebung regionaler Tourismusstatistiken eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die europäische Tourismusstatistik ((EU) Nr. 692/2011) sowie eine Durchführungsverordnung der Kommission ((EU) Nr. 1051/2011), in der die Datenübermittlung und der Aufbau der zugehörigen Qualitätsberichte geregelt werden. Nach Maßgabe dieser Rechtsgrundlage sind die EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, regelmäßig eine Reihe vergleichbarer Daten zur Tourismusstatistik vorzulegen. Die Datenerhebung erfolgt sowohl in allen EU-Mitgliedstaaten als auch in den EFTA- und Kandidatenländern. Europäische Aggregate (wie beispielsweise für die EU-28) werden berechnet bzw. geschätzt, wenn Daten von ausreichender Qualität vorliegen.

Die regionale Tourismusstatistik ist nur angebotsseitig verfügbar — die Daten werden im Rahmen von Umfragen unter Beherbergungsbetrieben erhoben. Die auf regionaler Ebene erhobenen Daten umfassen die Beherbergungskapazitäten (Betriebe, Zimmer und Schlafgelegenheiten) sowie deren Nutzung (Zahl der Ankünfte und Übernachtungen).

Regionale und subnationale Untergliederungen

Die Verordnung (EU) Nr. 692/2011 sieht die Erhebung regionaler Tourismusstatistiken auf NUTS-2-Ebene vor, so dass statistische Daten im Bereich des Tourismus (seit 2012) nicht mehr für Regionen der NUTS-3-Ebene erhoben werden. Mit der Verordnung wurden außerdem bezüglich der Beherbergungsstatistiken zwei neue Analysen für subnationale Daten eingeführt: eine Analyse nach dem Grad der Verstädterung (gering besiedelte Gebiete, Gebiete mit mittlerer Besiedelungsdichte, dicht besiedelte Gebiete) und eine Analyse nach der Meeresnähe (Lage am Meer oder Lage nicht am Meer).

Küstengebiete werden auf der Grundlage von örtlichen Verwaltungseinheiten oder Gemeinden definiert. Sie bestehen aus Gemeinden, die am Meer oder in der Nähe des Meeres liegen. Gebiete mit „Lage am Meer“ und Gebiete mit „Lage nicht am Meer“ werden gemäß der Entfernung der Gemeinde zum Meer klassifiziert: Wenn eine Gemeinde an das Meer angrenzt, ist sie standardmäßig eine Gemeinde mit Lage am Meer (und damit Teil einer Küstenregion); wenn eine Gemeinde nicht direkt an das Meer angrenzt, aber 50 % ihrer Fläche höchstens 10 km vom Meer entfernt sind, so gilt sie ebenfalls als Gemeinde mit Lage am Meer; alle anderen Gemeinden sind nicht am Meer gelegene Gemeinden.

Statistische Einheiten und Systematik der Wirtschaftszweige

Ein Beherbergungsbetrieb bezeichnet eine fachliche Einheit auf örtlicher Ebene. Dies gilt unabhängig davon, ob die Beherbergung von Touristen die Haupttätigkeit oder die Zweittätigkeit ist. Daher werden für die Tourismusstatistik alle Betriebe, die eine Beherbergungsmöglichkeit anbieten, dem Beherbergungsgewerbe zugeordnet, auch wenn der größte Teil des Umsatzes mit Restaurant-und Verpflegungsdienstleistungen oder anderen Dienstleistungen erzielt wird.

Beherbergungsbetriebe werden gemäß der Systematik der Wirtschaftszweige (NACE) definiert. Es handelt sich bei diesen Betrieben um Einheiten, die gegen Entgelt, Dienstleitungen der vorübergehenden oder kurzzeitigen Beherbergung anbieten. Die Klassifizierung der Beherbergungsbetriebe wird im Folgenden dargestellt:

  • NACE-Gruppe 55.1: Hotels, Gasthöfe und Pensionen (diese Klasse umfasst die Unterbringung in: Hotels, Gasthöfen, Pensionen, Ferienhotels, Suite-/Apartmenthotels und Motels);
  • NACE-Gruppe 55.2: Ferienunterkünfte und ähnliche Beherbergungsstätten (diese Klasse umfasst die Unterbringung in Kinder- und anderen Ferienlager, Gästewohnungen und -bungalows, Ferienhäusern und Hütten ohne Reinigungsdienstleistungen, Jugendherbergen und Berghütten);
  • NACE-Gruppe 55.3: Campingplätze (diese Klasse umfasst die kurzzeitige Beherbergung auf Campingplätzen, Caravanparks und Freizeitcamps sowie Camps für Fischer und Jäger, die Bereitstellung von Stellplätzen und Einrichtungen für Wohnmobile sowie die Unterbringung in Schutzhütten oder einfachen Biwakeinrichtungen für das Aufstellen von Zelten oder das Ausbreiten von Schlafsäcken).

Beherbergungsbetriebe werden mitunter als gemietete Unterkünfte bezeichnet. Demgegenüber handelt es sich bei nicht gemieteten Unterkünften um (beispielsweise von Verwandten oder Freunden) kostenlos zur Verfügung gestellte Unterkünfte oder Unterkünfte in vom Eigentümer selbst genutzten Ferienwohnungen einschließlich Timesharing-Wohnungen.

Angesichts der Tatsache, dass es Unterschiede bei den Definitionen der statistischen Einheiten von Beherbergungsbetrieben zwischen den Bezugszeiträumen 2011 und 2012 gibt, besteht die Möglichkeit eines Bruchs in den Datenreihen. Daher sind die in diesem Artikel präsentierten regionalen Informationen auf das letzte Bezugsjahr (2012) beschränkt und aus demselben Grund gibt es auch keine Zeitreihenanalyse.

Inländer und Nichtinländer

Der Binnenreiseverkehr umfasst Reisen der Bevölkerung eines Landes an Zielorte innerhalb ihres Landes, aber außerhalb ihrer gewohnten Umgebung. Diese Angaben können vergleichbaren Angaben über ausländische Touristen (häufig bezeichnet als Nichtinländer) gegenübergestellt werden.

Eine Person gilt als in einem Land (an einem Ort) ansässig, wenn sie den größten Teil des vergangenen Jahres (zwölf Monate) in dem Land (an dem Ort) gelebt hat oder über einen kürzeren Zeitraum in dem Land (an dem Ort) gelebt hat und beabsichtigt, innerhalb von zwölf Monaten zurückzukehren, um in dem Land (an dem Ort) zu leben. Nichtinländische oder internationale Touristen werden nach ihrem Wohnsitzland und nicht nach ihrer Staatsangehörigkeit klassifiziert. Im Ausland ansässige Bürger eines Landes, die für einen vorübergehenden Besuch in das Land ihrer Staatsangehörigkeit zurückkehren, gelten als nichtansässige Gäste.

Definitionen von Indikatoren

Als Übernachtung gilt jede Nacht, die ein Gast/Tourist in einem Beherbergungsbetrieb oder in einer nicht gemieteten Unterkunft verbringt. Übernachtungen können nach dem Herkunftsland des Gastes analysiert werden. Normalerweise fallen Abreise und Anreise nicht auf denselben Tag, aber Personen, die nach Mitternacht ankommen und am selben Tag abreisen, werden den Übernachtungen zugerechnet.

Als Zimmer gilt eine Einheit, die aus einem Raum oder einer Gruppe von Räumen besteht, die eine unteilbare Mieteinheit in einem Beherbergungsbetrieb oder einer Wohnung bilden. Bei den Zimmern kann es sich um Einzel-, Doppel- oder Mehrbettzimmer handeln, je nachdem, ob sie zur dauerhaften Beherbergung von einer, zwei oder mehr Personen eingerichtet sind. Die Anzahl der vorhandenen Zimmer ist die Anzahl an Zimmern, die in der Einrichtung gewöhnlich zur Beherbergung von Gästen zur Verfügung stehen, mit Ausnahme von Zimmern, die von den Mitarbeitern der Einrichtung genutzt werden. Bad und Toilette zählen nicht als Zimmer. Ein Apartment ist eine spezielle Art von Zimmer. Es besteht aus einem oder mehreren Räumen mit Küche, separatem Bad und Toilette. Apartments gibt es mit Hotelservice (in Apartmenthotels) oder ohne Hotelservice.

Die Anzahl der Schlafgelegenheiten eines Betriebs ist definiert als die Anzahl der Personen, die in regulären Betten in dem Betrieb übernachten können, wobei vom Gast verlangte Zusatzbetten nicht berücksichtigt werden. Die Bezeichnung „Schlafgelegenheit“ bezieht sich auf ein Einzelbett. Doppelbetten werden als zwei Schlafgelegenheiten gezählt. Diese Einheit dient zur Ermittlung der Kapazität von Betrieben jeder Art. Falls die tatsächliche Zahl der Schlafgelegenheiten eines Stellplatzes auf einem Campingplatz nicht bekannt ist, zählt ein Stellplatz als vier Schlafgelegenheiten.

Die Nettobelegungsrate von Zimmern erhält man durch Division der Gesamtzahl der während des Bezugszeitraums belegten Zimmer (in anderen Worten die Summe der pro Tag belegten Zimmer) durch die Gesamtzahl der im Bezugszeitraum verfügbaren Zimmer (in anderen Worten die Summe der pro Tag verfügbaren Zimmer). Die Belegungsrate von Schlafgelegenheiten erhält man durch Division der Gesamtzahl der Übernachtungen durch die Anzahl der angebotenen Schlafgelegenheiten (mit Ausnahme von Zusatzbetten) für jene Tage, an denen Schlafgelegenheiten tatsächlich zur Belegung verfügbar sind (d. h. ohne Betriebsferien oder sonstige Schließungen, wie beispielsweise für Renovierungszwecke). Die Ergebnisse für die Belegungsraten werden zur Angabe der Rate als Prozentsatz mit 100 multipliziert.

Kontext

Der Tourismus hat das Potenzial, bei der Entwicklung der Regionen Europas eine entscheidende Rolle zu spielen, indem er zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Wohlstand, zur nachhaltigen Entwicklung, zur Förderung des kulturellen Erbes und zur Herausbildung der europäischen Identität beiträgt. Die für den Tourismus geschaffene Infrastruktur kann im weiteren Sinne einen Beitrag zur lokalen wirtschaftlichen Entwicklung leisten, während die Arbeitsplätze, die dadurch geschaffen werden (oder erhalten bleiben), helfen können, dem Niedergang der Industrie und des ländlichen Raums entgegenzuwirken.

Der Tourismus kann ganz besonders wichtig für abgelegene Regionen oder Regionen in Randlage sein, in denen touristische Dienstleistungsbereiche oft eine der wesentlichen Einkommensquellen für die Bevölkerung bilden. Dies gilt in besonderem Maße für viele europäische Inselstaaten und -regionen, die Küstenregionen und die Alpenregionen. Die Hauptbegünstigten einer erhöhten Nachfrage nach touristischen Dienstleistungen in abgelegenen Regionen sind in der Regel kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Tourismuspolitik

Im Vertrag von Lissabon wird auf die Bedeutung des Tourismus hingewiesen und eine spezifische Zuständigkeit der Europäischen Union in diesem Bereich dargelegt. Der Tourismus ist Gegenstand einer Reihe politischer Maßnahmen auf regionaler, nationaler und EU-Ebene, wobei sich die Zuständigkeit der EU auf die Unterstützung, Koordinierung und Ergänzung der Maßnahmen der Mitgliedstaaten und die Förderung der Schaffung eines günstigen Umfelds für Unternehmen in diesem Sektor erstreckt. Er hat Auswirkungen auf viele Politikbereiche, darunter die Regionalpolitik, die Diversifizierung der ländlichen Wirtschaft, die Meerespolitik, die Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit, die Sozialpolitik und die soziale Eingliederung („Tourismus für alle“).

Im Juni 2010 wurde die Mitteilung der Europäischen Kommission mit dem Titel „Europa — wichtigstes Reiseziel der Welt: ein neuer politischer Rahmen für den europäischen Tourismus“ (KOM(2010) 352) angenommen. Mit dieser Mitteilung sollte ein koordiniertes Konzept für die tourismusbezogenen Initiativen gefördert und ein neuer Aktionsrahmen geschaffen werden, um die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismus sowie seine Fähigkeit zu nachhaltigem Wachstum zu stärken. Hierzu wurden vier Schwerpunktbereiche für Maßnahmen festgelegt: die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, die Förderung der Bemühungen um einen nachhaltigen, verantwortungsvollen Tourismus, die Konsolidierung des Images von Europa als ein aus nachhaltigen Qualitätsreisezielen bestehendes Ganzes sowie die bestmögliche Nutzung des Potenzials der politischen Maßnahmen und der Finanzinstrumente der EU zur Entwicklung des Tourismus.

Die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismus in der EU ist eng mit seiner Nachhaltigkeit verbunden, da die Qualität touristischer Reiseziele stark sowohl von ihrer natürlichen und kulturellen Umwelt als auch von ihrer Einbindung in eine lokale Gemeinschaft abhängt. Zu einem nachhaltigen Tourismus gehören auch der Erhalt und die Förderung des Kultur- und Naturerbes, dazu zählen die Kunst, die örtliche Gastronomie sowie der Erhalt der biologischen Vielfalt. Die wichtigsten Herausforderungen für den nachhaltigen Tourismus umfassen die Erhaltung der natürlichen und kulturellen Ressourcen, die Verringerung der negativen Auswirkungen auf touristische Reiseziele (einschließlich der Nutzung natürlicher Ressourcen und der Abfallerzeugung), die Förderung des Wohlergehens der Menschen vor Ort, die Verringerung der Saisonabhängigkeit der Nachfrage, die Reduzierung der Auswirkungen des tourismusbedingten Verkehrs auf die Umwelt und die Ermöglichung der Teilhabe aller am Tourismus. Es sind bereits zahlreiche nachhaltige, grenzübergreifende Tourismusprodukte und -dienstleistungen mit gemeinsamer thematischer Ausrichtung entwickelt worden, die geeignet sind, zum Wachstum der Tourismusbranche beizutragen (wie etwa durch mehrere Länder führende Kulturwege, Radwanderwege, Ökotourismusprodukte, der önogastronomische Tourismus, der auf Naturschutzgebiete ausgerichtete Tourismus oder der Tourismus, bei dem das industrielle Erbe im Mittelpunkt steht).

Der Küsten- und Meerestourismus stellt den größten meeresbezogenen Wirtschaftszweig in Europa dar und ist eng mit anderen Teilen der Wirtschaft verbunden. Fast 3,2 Millionen Menschen sind in dieser Branche beschäftigt, und nahezu die Hälfte aller Übernachtungen in EU-Beherbergungsbetrieben erfolgen in Küstenorten. In einer Mitteilung über den Küsten- und Meerestourismus mit dem Titel „Eine Europäische Strategie für mehr Wachstum und Beschäftigung im Küsten- und Meerestourismus“ (KOM(2014) 86) stellte die Europäische Kommission Überlegungen über die Vielfalt der Küstenregionen der EU und über ihre Fähigkeit zur Schaffung von Wohlstand und Arbeitsplätzen an. Diese Überlegungen standen im Einklang mit der EU-Strategie „Blaues Wachstum“ (KOM(2012) 494). Um kleine und mittlere Unternehmen bei der Bewältigung einer Vielzahl von Problemen zu unterstützen, um grenzübergreifende Herausforderungen auf EU-Ebene anzupacken und um die Zusammenarbeit und den Austausch bewährter Verfahren zu fördern, wird in der erwähnten Mitteilung die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Rahmens mit einer Reihe verschiedener Maßnahmen vorgeschlagen, darunter die Förderung von Leistung und Wettbewerbsfähigkeit, die Förderung von Qualifikation und Innovation, die Stärkung der Nachhaltigkeit oder die Maximierung der verfügbaren EU-Mittel.

Mit der anhaltenden Globalisierung im Tourismus eröffnen sich auch neue Möglichkeiten durch Touristen aus neuen Märkten, die sich kostspielige Urlaubsreisen leisten können. Daher hat die Europäische Kommission besonderes Augenmerk auf die Förderung der Diversifizierung des europäischen Tourismusangebots gelegt. Dies tut sie u. a. durch die Entwicklung und Förderung von grenzübergreifenden Tourismusprodukten mit gemeinsamer thematischer Ausrichtung oder durch den Ausbau und die Steigerung der Sichtbarkeit der europäischen Kulturwege und der kleinen, nicht traditionellen Reiseziele, die sich im Rahmen der Initiative Herausragende europäische Reiseziele (European Destinations of Excellence, EDEN) der gesellschaftlichen, kulturellen und umweltbezogenen Nachhaltigkeit verschrieben haben. Darüber hinaus hat die Europäische Kommission zur Erhaltung und Stärkung der Position Europas als eines der wichtigsten Reiseziele der Welt in einer zunehmend vom Wettbewerb geprägten Welt eine breite Palette an Kommunikations- und Werbeaktivitäten (auf Englisch) auf den Weg gebracht und arbeitet eng mit der European Travel Commission (ETC) (auf Englisch) zusammen — einer Organisation, welche die nationalen Tourismusorganisationen von 33 europäischen Ländern repräsentiert —, um Werbung für Europa auf wichtigen Fernmärkten zu machen.


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Tourismus — Mittel im Rahmen der Kohäsionspolitik


Der Strukturfonds und der Kohäsionsfonds leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und der Qualität des Tourismus auf regionaler und lokaler Ebene, da der Tourismus als wichtiges Instrument für die Integration von weniger entwickelten Regionen gesehen wird.

Die Kohäsionspolitik der EU für den Zeitraum 2007 bis 2013 zielte darauf ab, den Tourismus für eine nachhaltige regionale Entwicklung und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu mobilisieren. Für diesen Zeitraum waren im Rahmen der Kohäsionspolitik gezielte EU-Fördermittel für den Tourismus in Höhe von mehr als 6 Mrd. EUR geplant, das entsprach 1,8 % der Gesamtmittel für die Kohäsionspolitik. Davon wurden 3,8 Mrd. EUR für die Verbesserung von Dienstleistungen für Touristen aufgebracht, 1,4 Mrd. EUR für den Schutz und die Entwicklung des Naturerbes und 1,1 Mrd. EUR für die Förderung der natürlichen Ressourcen.

Weitere Informationen sind folgenden Websites zu entnehmen: Kohäsionspolitik und Tourismus; Leitfaden für tourismusbezogene Investitionen 2014-2020 im Rahmen der Europäischen Struktur- und Investitionsfonds und insbesondere des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) (auf Englisch)

Siehe auch

Weitere Informationen von Eurostat

Veröffentlichungen

Haupttabellen

Regionale Tourismusstatistiken (t_reg_tour)

Datenbank

Regionale Tourismusstatistiken (reg_tour)
Inanspruchnahme von Beherbergungsbetrieben : Reiseverkehr im Inland und aus dem Ausland (Einreiseverkehr) (reg_tour_occ)
Kapazität der Beherbergungsbetriebe: Betriebe, Zimmer und Schlafgelegenheiten (reg_tour_cap)
Jährliche Daten über die Tourismusindustrie (inda)
Belegung der Beherbergungsbetriebe (tour_occ)
Übernachtungen von Inländern und Nicht-Inländern (tour_occ_n)
Ankünfte von Inländern und Nicht-Inländern (tour_occ_a)
Nettobelegungsrate für Hotels, Gasthöfe und Pensionen (tour_occ_or)
Kapazität der Beherbergungsbetriebe (tour_cap)

Spezieller Bereich

Methodik / Metadaten

Quelldaten für die Tabellen, Abbildungen und Karten (MS Excel)

Weitere Informationen

Weblinks


Ansichten